Donnerstag, 28. Mai 2020

Übung


Sehr geehrte Damen und Herren von der Reiseleitung,

ich möchte mich hiermit auf das Entschiedenste beschweren. Wie jedes Jahr bin ich mit meinen Freundinnen angereist und habe mich darauf verlassen, einen Service vorzufinden, wie ich ihn gewohnt bin.

Zunächst schien das auch der Fall zu sein. Mein Zimmer war überaus komfortabel, das Wetter hervorragend. das Gastgeschenk üppig und das Personal charmant, zurückhaltend und höflich. So weit so gut.

Zu einer umfassenden und mir angemessenen Betreuung hätte es jedoch unbedingt auch gehört, dass sie mich daran gehindert hätten, mich in dieser Aprés Ski Hütte mit Menschen zu umgeben, die mich in meinem Recht auf körperliche Unversehrtheit verletzt haben. Zutiefst verletzt möchte ich hier anmerken.

Sie haben es versäumt, mich darüber zu informieren, dass ich in dieser Gaststätte nicht sicher bin.

Sie haben es versäumt, mich daran zu hindern, mich völlig sinnlos zu betrinken und jegliche Contenance zu verlieren.

Sie haben es versäumt mich angemessen über alle Sachverhalte bezüglich Covid 19 zu informieren.
Wo waren die Warnschilder? Wo waren die aufklärenden Plakate? Und wieso können Kellner in Ischgl nicht einfach etwas gelassener auf meine spontane Performance reagieren? Ich hätte da etwas mehr Professionalität von Unternehmen in einem anerkannten Erholungsort erwartet.

Ich erwarte, dass Sie unverzüglich für meinen sicheren und schnellen Transport in meine Heimatstadt Sorge tragen. Sie wissen, ich bin dort unabkömmlich und als Schlagersängerin in einem systemrelevanten Beruf tätig.

Ich setze Ihnen hiermit eine Frist bis zum 18.03.2020. Sollten Sie bis dahin nicht erste erkennbare Schritte unternommen haben, meinen Rücktransport zu organisieren, werde ich rechtliche Schritte einleiten.

Mit freundlichen Grüßen

Petra Pauli


 
link (no comments)  ... schreib auch was   ... bevorichsverschlammpeveröffentlicheicheslieber
 

 
 
Donnerstag, 14. Mai 2020

Ferienaufgabe


Sie berichten aus alten Zeiten - die Weisen und auch die Alten
niemand wagt es zu bestreiten - sie hatten viel auszuhalten,
uns von der drückend blauen Plage - der dröhnend bitteren Pause
die stellte so vieles in Frage - da sie saßen dumpf zuhause.

„Wir liebten reichen Lebensstil - a very modern way of life
Wir konsumierten fleißig viel - egal ob jung wir oder reif.
Am Horizont erschien gar grau - der blauen Seuche bleich Gesicht
der Welten Krise, der Wirtschaft GAU - obschon gewarnt wir glaubten nicht.

Wir saßen wartend im Sessel - wir standen auf Abstand ganz still
Da stieg der Druck in dem Kessel - Die Stimme der Dummheit wurd schrill:
„Die Räder, sie sollen rollen - wann immer wir das so wollen,
Euer Anstand ist zu teuer - Eure Rücksicht nicht geheuer!“

Wir machten Platz, wir warteten - Wir mochten noch nie mit johlen
Es bleckte wieder blanker Hass - den braunen Zahn, den hohlen.
In unserm Innern wurd es finster - dann blühet Zorn, der Mut, er lodert,
so wie giftig gelb der Ginster - der gerne wächst wo andres modert.

Wir flüsterten wieder leise - wieder webend an unsrem Stuhl
die alte bekannte Weise - You will never get us, old fool.
Wir lächelten fein und ganz still: - „Weil unser schwacher Arm das will!“
Wir webten den dreifachen Fluch - wir webten dir dein Leichentuch.“

Ihr leises Lied, es dauert lang - ihre Stimme zieht uns in Bann,
ein zarter, doch gefährlich Klang - Wir fragen sie dann und wann
„Könnt ihr uns lehren diesen Spruch? - Könnt ihr uns lehren wie man webt?“
„Oh seht nur her auf dieses Tuch.“ - „Das harte geht, das weiche lebt.“

So war zu lesen auf Seide - aus dunkelbuntem Faden fein,
„Auf dass es auch euch gut kleide! - Was unser war, wird euer sein.“
Des Nachts und auch am hellen Tag - mal in der Kirche, mal der Küche,
der kalten Krieger größte Plag - sind unsere Zaubersprüche.


 
link (no comments)  ... schreib auch was   ... bevorichesverschlamoeveroeffentlicheicheslieber
 

 
 

Übung 2


Masken
Die Gesichter sind anders geworden. Direkter, auf den Punkt und die Menschen lernen wieder mit den Augen zu sprechen und Blicke zu lesen. Sie kamen sich näher, trotz der 1,50m oder 2,00m Abstand, die da verordnet waren. Viel näher.

Während er noch diesen Gedanken nachhing und selbst ihm plötzlich klar wurde, warum hinter der Vollverschleierung nicht nur der IS, sondern auch die Märchen aus 1001 Nacht versteckt waren, stolperte sein Blick über Schnurrhaare und spitze Öhrchen.

Die zerebrale Exkursion zu den Fenstern der Seele usw. wurde augenblicklich unterbrochen. Das war doch, nein das konnte nicht sein. Das konnte doch unmöglich.

„Horst?“ fragte er schließlich zögernd. Er vernahm ein klares und deutliches „Mau!“, das er als Bestätigung aufnahm. „Mensch, wir haben uns ja ewig nicht mehr gesehen!“ Es ertönte -in 1,78m Entfernung- ein Schnurren. Horst fühlte sich anscheinend sehr wohl. „Wie geht´s dir, was machst du, bleib gesund.“ Jetzt hatte er sich doch glatt schon verabschiedet. Ja, diese Corona-Etikette waren eine diffizile Angelegenheit.Gregor rannte peinlich berührt davon, so schnell ihn die neuen sehr dünnen Beine trugen. „Samsa, du Sack! Du bist das doch oder?“, hörte er Horst noch rufen, als er verschämt unter einer Gehwegplatte Zuflucht suchte.


 
link (no comments)  ... schreib auch was   ... bevorichsverschlampeveroeffentlicheicheslieber
 

 
 
 
Online for 6540 days
Last update: 28.05.20 15:03
status
Zeig dich! ... login
menu
... home
... topics
Mai 2020
MoDiMiDoFrSaSo
123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031
März
recent

Übung


Sehr geehrte Damen und Herren von der Reiseleitung, ich möchte mich hiermit auf das Entschiedenste beschweren. Wie jedes Jahr bin ich mit meinen Freundinnen angereist und habe mich darauf verlassen, einen Service vorzufinden, wie ich ihn gewohnt bin. Zunächst schien das auch der Fall zu sein. Mein Zimmer war überaus ...
von apfelhexe @ 28.05.20 15:03

Ferienaufgabe


Sie berichten aus alten Zeiten - die Weisen und auch die Altenniemand wagt es zu bestreiten - sie hatten viel auszuhalten,uns von der drückend blauen Plage - der dröhnend bitteren Pausedie stellte so vieles in Frage - da sie saßen dumpf zuhause. „Wir liebten reichen Lebensstil - a very modern ...
von apfelhexe @ 14.05.20 18:55

Übung 2


MaskenDie Gesichter sind anders geworden. Direkter, auf den Punkt und die Menschen lernen wieder mit den Augen zu sprechen und Blicke zu lesen. Sie kamen sich näher, trotz der 1,50m oder 2,00m Abstand, die da verordnet waren. Viel näher. Während er noch diesen Gedanken nachhing und selbst ihm plötzlich klar ...
von apfelhexe @ 14.05.20 17:09

Übung 1


Als wir noch flogenüber den Wolkenunterm Radar Als wir noch flogenüber die Pistenunterm Radar Als wir noch flogendie Haare im Windmit 5 KM/H Die Flügel ein Dreiradder Block war die Welt Als wir noch flogenDer Sonne entgegendoch niemals zu nah Sand in der Naseund hinter den Ohrendie Knie verschrammt Die ...
von apfelhexe @ 14.05.20 17:07

Alphorn, Hausaufgabe


„Die Fahrkarten bitte!!“ erscholl die unfreundliche Stimme eines Kontrolleurs aus dem inneren der Bahn. „Ein Albtraum, einfach nur ein Albtraum,“ dachte Louisa. „Entschuldigung, Pardon“, rief sie und versuchte herauszufinden, ob sie ihr Instrument besser vor sich in den Wagen schieben sollte oder ob es besser sei, es hinter sich her ...
von apfelhexe @ 20.03.20 21:57

RSS Feed

Made with Antville
powered by
Helma Object Publisher