Alphorn, Hausaufgabe


„Die Fahrkarten bitte!!“ erscholl die unfreundliche Stimme eines Kontrolleurs aus dem inneren der Bahn. „Ein Albtraum, einfach nur ein Albtraum,“ dachte Louisa.

„Entschuldigung, Pardon“, rief sie und versuchte herauszufinden, ob sie ihr Instrument besser vor sich in den Wagen schieben sollte oder ob es besser sei, es hinter sich her zu ziehen. Um 17.00 Uhr musste sie am Brunnen vor dem Rathaus in Elberfeld sein, dann wollte Vaclav anfangen.

Die ersten Fahrgäste wurden auch schon unruhig. Die hatten vermutlich auch etwas besseres zu tun als auf sie zu warten, klar.
„Jetz machense ma die Tür frei, junge Frau, ich helf´ Ihnen ma eben mit den Kinderwagen,“ meinte jemand, den sie nicht sehen konnte. „Klar Kinderwagen!“, lachte Louisa in sich hinein. „Ein Königreich für einen Kinderwagen!“ „Ist kein Kinderwagen, sorry“, rief sie in den Wagen hinein, ich versuche mein Albhorn hier rein zu bekommen.“ „Watt?, erklang es mehrstimmig aus der Schwebebahn. „Na wenigstens kein Elefant“, meinte eine ältere Dame trocken. „Nee, nich schon wieder“, kicherte eine andere.

Und schon stand der Kontrolletti vor ihr. „Dafür brauchen Sie einen zusätzlichen Fahrschein, das ist Ihnen schon klar, oder?“ „Den habe ich selbstverständlich und ich weiß natürlich auch, dass Sie keineswegs verpflichtet sind, mich mitzunehmen“, spulte Louisa routiniert ihren Text ab.
„Wieso spielst´n du Alphorn?“, fragte jemand hinter ihr. „Weil mein großer Bruder mir meine Piccoloflöte immer weggenommen hat,“ erwiderte Louisa leicht genervt. Immer die gleichen Fragen.

„Wie lang ist den dat Dingen?“, fragte der Kontrolleur. „Zwei Meter fünfundsiebzig,“ erwiderte Louisa, „ist nur das kleine.“. „Das passt doch nie hier rein!“, meinte der Teenager auf dem Bahnsteig. „Wohl in Mathe gepennt?“, fragte der Kontrolleur,“Das ist hier das blaue Wunder, ein Fahrzeug der neuesten Generation und 2,70m hoch. Fenster gehen auch auf. Wir wuppen das, wetten?“ „JUPP?“, rief es vom anderen Ende der Bahn, „Was los?“
„Warte ma kurz Frank, das ham wa gleich. Dann kannste fahren.“ „Wat dauert denn da so lange?“, fragte Frank. „N Albhorn muss hier rein.“ „Ja nee, is klar! Haste nen Clown gefrühstückt?“
„Doch, das Schweizer Horn will nicht in die Alpen, es will hier in den GTW, es will übber die Wuppa, yeah, nicht in den Schnee,“ rapte jemand im Wagen. „Wow, voll real!“, applaudierte eine Kapuzengestalt, die in der Tür und damit voll im Weg stand.
„Voll real!“, äffte ihn eine der älteren Damen von vorhin nach. „Dat heißt real. Und real macht zu.“ „Real, Regal, mir doch egal, legal, illegal, mir scheißegal! Das müsstest du doch kennen Omma.“ „Ich geb dir gleich Omma, du Wochenendrevoluzzer, du Lulli, du Laffe, du kleiner Stutzer.“ „Ich bin doch kein Stutzer, ich bin n Stenz, ich fahr nicht Golf, sondern´n Benz.“ „Du kennst ja Wörter,“ Jetzt war auch die ältere Dame beeindruckt.

„Freestyla“, rief Louisa, „geh ma auf Seite.“ „Höhö, is ja echt horny, die Kleine, wa?“ Der Teeny von draußen wieder. „Wenn du deinen Kopf da unten in den Becher des Alphorns steckst, blas ich dir sogar einen“; konterte Louisa sicher. Teeny wird rot und still und trollt sich.

„Holla“, meinte Frank, der sich inzwischen von seiner Kabine durch die Passagiere bis zur Tür vorgekämpft hatte. „Ich seh nix mehr“, beschwerte sich da die ältere Dame. „Ist ´n Lechgold Bb von Kirstein, dreiteilig.“, informierte Frank die Dame. „Wieso haste das denn nicht auseinander gebaut?“, fragte er sodann Louisa. „Ich hab um 5 einen Gig vor dem Rathaus in Elberfeld und komme jetzt gerade vom LCB. Da hatte ich einfach keine Zeit mehr. Mein Kumpel Vaclav wartet“ Die Kapuzengestalt stand immer noch im Weg und wippte rhythmisch mit dem Kopf:
„Vom Lech her kommt das Blechgebläse, nicht aus der Schwyz.“
Omma: „Dat ist doch Käse!“
Hoody: „Kein Witz!“
Omma: „Ein Hörnchen nur, ein Albcroissant kommt aus dem Land vom Kanzler Kurz.
Hoody: „Dieser Furz ist mir doch schnurz.“
Omma: „Im Wagen aus Valencia.“
Hoody: „Das ist doch jetzt schon fast Dada.“
Omma: „Nee, dat is Europa.
Louisa: „Pa!“

Der Kontrolleur fällt ein: „paya, gibt´s hier auch im Winta.
Hoody: „Da steig ich jetzt nicht hinta.“
Omma: „Klopf aus den Öhrchen dir den Schmalz.“
Louisa: „Ich krieg jetzt echt´n Hals.“
Kontrolleur: „Jou, der Gig mit Vaclav wartet.“
Frank: „Geschwind hinein, die Bahn, sie startet.“

„Ey, du da, pack mal mit an.“ ruft Frank einem herbeieilenden jungen Mann, er ist vermutlich ein Student, zu.
Dieser lacht ihn an, froh, dass die Bahn auf ihn gewartet hat. „Na klar, das mach ich gerne, Mann.“
Hoody: „Ja, Männer wie wir…“
Omma; „Kriegen kein Bier vor vier.“
Louisa: „Woop poop pi doo.“


 
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